Flüssig bleiben:So sichern Sie Ihre Liquidität

Flüssig bleiben:So sichern Sie Ihre Liquidität

Illiquidität ist eine der Hauptursachen, warum Unternehmen insolvent werden – doch was unterscheidet Liquidität von Bonität, wie wird sie berechnet und wie hält man sie im Blick?

Was ist Liquidität?

Unter Liquidität versteht man die Ausstattung an Zahlungsmitteln, die für Investitions- und Konsumauszahlungen und zur Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen zur Verfügung stehen.
Damit ist Liquidität die Fähigkeit eines Unternehmens oder einer Privatperson, seinen Zahlungsverpflichtungen aus Schulden jederzeit uneingeschränkt nachkommen zu können. 

Liquide zu sein bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass man über einen hohen Zahlungsmittelbestand verfügt. Maßgeblich für die Feststellung der Liquidität sind die Zahlungsanforderungen. Reicht die Zahlungskraft nicht aus, um alle an ein Unternehmen oder eine Person gestellten Zahlungsanforderungen zu erfüllen, liegt Illiquidität vor. Kann diese nicht behoben werden, droht die Insolvenz.

Worin liegt der Unterschied zu Bonität?

Die Bonität, oder auch Kreditwürdigkeit, ist eine prognostizierte Eigenschaft eines Unternehmens oder einer Person, zukünftige Zahlungsverpflichtungen vollständig und fristgerecht erfüllen zu können und zu wollen. Mit dem Bonitätsindex wird angegeben, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es bei dem Geschäftspartner zu einem Zahlungsausfall kommt.

Wie wird die Liquidität eines Unternehmens berechnet?

Die eigene Liquidität zu schützen und aufrechtzuerhalten ist ein wichtiger Teil des Rentabilitätsstrebens. Hierbei gibt es nur zwei Ausprägungen – „gegeben“ und „nicht gegeben“. Mithilfe von Kennzahlen, den sogenannten Liquiditätsgraden, ist es möglich, Liquidität zu definieren und als Steuerungsgröße messbar zu machen. Man unterscheidet dabei 3 Liquiditätsgrade:

 

Liquidität 1. Grades

Beschreibung:

Sie gibt an, zu wie viel Prozent die kurzfristigen Verbindlichkeiten durch vorhandene Zahlungsmittelbestände gedeckt sind:

- flüssige Mittel und kurzfristige Verbindlichkeiten im Verhältnis 
- Bewertung der Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens

Berechnung: flüssige Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten * 100 %
Zielwert: 10 % bis 30 %

 

 

Liquidität 2. Grades

Beschreibung: - Erweiterung der flüssigen Mittel um die kurzfristigen Forderungen im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten
Berechnung: (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten * 100 %
Zielwert: 100 % bis 120 %

 

 

Liquidität 3. Grades

Beschreibung: Sie gibt an, zu welchem Anteil das kurzfristige Fremdkapital durch das gesamte Umlaufvermögen gedeckt ist.
- Erweiterung um die Vorräte 
Berechnung: (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen + Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten * 100 %
Zielwert: > 120 %
Interpretation:

- Liegt der Wert darunter, kann es bei der Preisgestaltung oder beim Absatz Probleme geben.
- Liegt der Wert darüber, könnten im Lager zu viele Produkte sein, die das Kapital binden.
- Liegt der Wert unter 100 %, wäre ein Teil des langfristigen Anlagevermögens kurzfristig finanziert worden.

 

Kann ein Unternehmen auch zu viele flüssige Mittel haben?

Je höher die Liquidität, desto besser? Nicht unbedingt: Denn ein Unternehmen, das viele flüssige Mittel besitzt, hat zu viel Geld, das ungenutzt „rumliegt" und nicht benötigt wird. In solch einem Fall ist es sinnvoller, das Geld zu investieren oder anzulegen. 

Wie Sie als Unternehmer Ihre Liquidität im Blick behalten

Der Liquiditätsplan ist Teil der Finanzplanung, der sämtliche erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen innerhalb einer festgelegten Planungsperiode gegenüberstellt. Dabei werden alle Geschäftsvorfälle erfasst und analysiert. Möglich ist eine Tagesplanung, eine kurzfristige Planung bis zu 12 Wochen oder eine mittelfristige Planung bis maximal 2 Jahre. Das Ziel besteht darin, die Entwicklung des Liquiditätsbestandes im Betrachtungszeitraum überblicken und vergleichen zu können.

Grundsätzlicher schematischer Aufbau:

Anfangsbestand liquide Mittel (Bank, Kasse, …)
+ Einzahlungen im Betrachtungszeitraum
= verfügbare Mittel
-    Auszahlungen im Betrachtungszeitraum
= Endbestand liquide Mittel

Schon gewusst? StaRUG macht die Liquiditätsplanung auch für KMU erforderlich

Mit dem neuen Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen (kurz StaRUG) werden Unternehmen dazu verpflichtet, ein System zur Krisenfrüherkennung und zum Krisenmanagement einzuführen. Was bisher nur verpflichtend für Aktiengesellschaften galt, wird jetzt auch für haftungsbeschränkte Unternehmen zur Pflicht. Kleine und mittlere Unternehmen müssen ihre Risiken identifizieren und hinsichtlich der Liquidität bewerten. Seitens des BMJ gibt es jedoch keine offizielle Vorlage für eine solche Liquiditätsplanung. Vielmehr sollen die Besonderheiten des planenden Unternehmens berücksichtigt werden, um Spielraum für den Detailgrad der Planung zu lassen. Allerdings muss darin auch die Liquiditätsentwicklung der nächsten 24 Monate abgebildet sein. 

Liquidität in unsicheren Zeiten – Wie liquide sind deutsche Betriebe (noch)?

Störungen in Lieferketten führen derzeit bei vielen Unternehmen zu Material- und Lieferengpässen. Produkte können nicht fertiggestellt und fakturiert werden, sodass es zu einer erhöhten Lagerhaltung kommt. Diese wiederum bindet Liquidität.

Die untenstehende Grafik zeigt, wie es um die Liquidität deutscher Betriebe steht: Die rote Linie gibt die Anzahl der Betriebe an, die ihre Rechnungen überfällig zahlen. Die blauen Balken zeigen, wie viele überfällige Rechnungen es insgesamt gibt. Seit April 2022 gibt es einen kontinuierlichen Anstieg, der mit dem Ende der Corona-Hilfszahlungen zusammenpassen könnte. Im Juli 2022 haben 277.747 Betriebe überfällige Rechnungen. Insgesamt sind es 2.008.772 überfällige Rechnungen.

Diese Werte misst das Debitorenregister Deutschland von Creditreform mit monatlich 13 Millionen Zahlungsinformationen und einem jährlichen Belegvolumen von 76 Milliarden €.

10 Maßnahmen: So sichern Sie Ihre Liquidität

  1. Fixkosten reduzieren
    Hohe Belastungen mit fixen Kosten zehren bei Umsatzrückgängen an der Substanz eines Unternehmens. Prüfen Sie deshalb regelmäßig Personalaufwand, Mieten, Kosten für den Fuhrpark, IT-Kosten, Fremdleistungskosten und Energiekosten.
     
  2. Konsequent Forderungen einziehen
    Offene Forderungen sind nicht nur mit viel Aufwand verbunden, sie binden auch Ihre Liquidität. Dieses Geld wiederum fehlt Ihnen dann für neue Investitionen. Deshalb empfehlen wir, Ihre unstrittigen offenen Forderungen spätestens nach der 2. Mahnung an einen Inkassodienstleister zu übergeben. Je schneller Sie in solchen Fällen reagieren, desto größer ist die Chance, dass Sie Ihr Geld erhalten.
     
  3. Zahlungsziele bei Lieferanten verlängern
    Prüfen Sie die vereinbarten Zahlungsziele bei Ihren Lieferanten. Oft sind Zahlungsziele von 10 oder 14 Tagen vereinbart. Mit einem längeren Zahlungsziel schaffen Sie sich Liquidität. Voraussetzung hierfür ist jedoch eine gute Finanzkommunikation mit den Lieferanten.
     
  4. Finanzierungsstruktur prüfen
    Liquiditätsengpässe entstehen oft durch Fehler in der Unternehmensfinanzierung, nämlich dann, wenn langfristig gebundenes Vermögen kurzfristig finanziert wird.
     
  5. Bankkredit aufnehmen
    Gerade jetzt, wo die Zinsen noch einigermaßen günstig sind, kann der Weg zur Bank der richtige sein. Wir empfehlen Ihnen einen regelmäßigen Austausch und eine offene Finanzkommunikation mit Ihrer Bank. Gehen Sie nach Möglichkeit nicht erst ins Kreditgespräch, wenn es finanzielle Schwierigkeiten gibt. Eine von Anfang an aktive Finanzkommunikation in Verbindung mit einer guten Bonität wird sich positiv auf Ihre Konditionen auswirken. Erfahren Sie mehr zum Thema Finanzkommunikation in unserem Praxisratgeberartikel Finanzielle Stärke zeigen.
     
  6. Gebundenes Kapital freisetzen
    Bei dieser Form der Innenfinanzierung wird gebundenes Kapital mittels Vermögensumschichtung in flüssige Mittel umgewandelt. Erfahren Sie mehr dazu in unserem Praxisratgeberartikel Erhöhte Liquidität durch Kapitalfreisetzung.
     
  7. Bonität von Neu- und Bestandskunden sowie von Lieferanten prüfen
    Bonitätsauskünfte helfen dabei, Risiken bei Neu- und Bestandskunden frühzeitig zu erkennen. Vor Geschäftsabschluss können Sie sich über die Bonität Ihrer Geschäftspartner informieren und erfahren so, wie hoch deren Ausfallwahrscheinlichkeit ist. So sind Sie in der Lage, risikoreiche Geschäfte zu verhindern oder die Konditionen so anzupassen, dass Ihr Risiko minimiert wird.
     
  8. Offene Forderungen verkaufen
    Mit dem Verkauf von offenen Forderungen, auch Factoring genannt, müssen Sie nicht mehr darauf warten, dass Ihr Kunde seine Rechnung bezahlt. Nach abgeschlossenem Vertrag und Vereinbarung über die Provision treten Sie Ihre offenen Forderungen an einen Factoring Dienstleister ab. Von diesem erhalten Sie direkt den offenen Rechnungsbetrag. Ihr Kunde begleicht seine Verbindlichkeit dann später an den Factoring Dienstleister. Dabei übernimmt der Dienstleister das gesamte Forderungsausfallrisiko.
     
  9. Sale-and-lease-back nutzen
    Beim Sale-and-lease-back-Prinzip werden mobile Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, zum Beispiel Maschinen, oder Immobilien an einen Leasinggeber verkauft und können zur sofortigen Nutzung zurückgeleast werden.
     
  10. Förderprogramme prüfen
    Nutzen Sie staatliche Förderprogramme zur Beratung in der Unternehmenskrise, um Liquidität zu erhalten. Solche geförderten Beratungen werden vom Bundesamt für Wirtschaft & Ausfuhrkontrolle (BAFA) finanziert und stehen Ihnen kostengünstig zur Verfügung. Sie helfen, die richtigen Fördermaßnahmen zu identifizieren, Förderanträge zu stellen sowie bei der Nutzung der Förderung, beispielsweise bei der Liquiditätsplanung oder der Optimierung Ihrer Kostenstruktur.

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