Insolvenzen in Deutschland, 1. Halbjahr 2017

Gute Konjunktur lässt Insolvenzen sinken

Der Rückgang der Insolvenzen in Deutschland setzte sich im 1. Halbjahr 2017 fort. In den Monaten Januar bis Juni wurden 10.300 Unternehmensinsolvenzen und 36.300 Verbraucherinsolvenzen gezählt. Dabei verringerte sich die Zahl der Verbraucherinsolvenzen (minus 7,5 Prozent) etwas stärker als die Zahl der Unternehmensinsolvenzen (minus 5,9 Prozent). Insgesamt wurden 58.900 Insolvenzen registriert (darunter auch „sonstige Insolvenzen“). Das waren 5,1 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode (1. Halbjahr 2016: 62.060).

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind weiterhin günstig für das Insolvenzgeschehen. Im Zuge der guten Konjunktur in Deutschland verbesserte sich die Ertrags- und Eigenkapitalsituation der Unternehmen. Das führte zu einer höheren Stabilität. Zudem versorgt die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Wirtschaft mit günstiger Liquidität, so dass es seltener zu Finanzierungsengpässen kommt. Die Verbraucher profitieren von der niedrigen Arbeitslosigkeit und steigenden Realeinkommen und können ihre Verschuldung zurückfahren bzw. erträglich halten.

Mehr als 1 Mio. Euro pro Schadensfall

Leicht gesunken ist das Schadensniveau bei den Unternehmensinsolvenzen. Die Insolvenzgläubiger müssen mit Ausfällen von schätzungsweise 13,0 Mrd. Euro rechnen (Vorjahr: 16,3 Mrd. Euro). Im Durchschnitt sind für jeden Insolvenzfall Schäden in Höhe von 1,26 Mio. Euro zu erwarten. Geringer als im Vorjahr waren die Arbeitsplatzverluste. Von der Insolvenz des Arbeitgebers waren rund 99.000 Beschäftigte betroffen (Vorjahr: 109.000). Erneut gab es einige große Unternehmensinsolvenzen, die auch zu hohen Schäden für die Gläubiger führten. Zu den bedeutendsten Fällen im 1. Halbjahr 2017 zählten die Pleiten der SolarWorld AG und der Hamburger Großreederei Rickmers.

In Baden-Württemberg (41 Insolvenzfälle je 10.000 Unternehmen), Bayern (42) und Thüringen (43) zeigten sich die Unternehmen am wenigsten insolvenzanfällig. Am höchsten war die Gefährdung in Berlin (101 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (90) und Hamburg (89).

Kleinstunternehmen dominieren

Stabiler zeigte sich in den ersten sechs Monaten die Rechtsform GmbH. 29,0 Prozent aller insolventen Unternehmen hatten diese Rechtsform gewählt (Vorjahr: 31,1 Prozent). Von 8,4 auf 8,8 Prozent leicht gestiegen ist indes der Anteil der Unternehmergesellschaft (UG haftungsbeschränkt). Insgesamt dominieren Kleinstunternehmen das Insolvenzgeschehen in Deutschland. Auf die Umsatzgrößenklasse bis 250.000 Euro im Jahr entfiel gut der Hälfte aller Insolvenzfälle in den ersten sechs Monaten (52,9 Prozent). Mehr noch: Dieser Anteil sowie auch die absolute Zahl der Fälle hat sich gegenüber dem Vorjahr noch erhöht. Deutlich rückläufig sind hingegen die Insolvenzzahlen vor allem im Mittelstand.

Mehr ältere Firmen betroffen

Aufgrund der rückläufigen Gründungszahlen in den letzten Jahren gab es erneut weniger Insolvenzen von jungen Unternehmen. 2.690 der insolventen Unternehmen waren noch nicht einmal fünf Jahre am Markt. Zum Vergleich: In der Vorjahresperiode wurden noch 3.260 Insolvenzen in dieser Altersklasse gezählt. Weiter zunehmend sind hingegen die Insolvenzen von etablierten Unternehmen mit einem Alter von mehr als zehn Jahren. 4.490 insolvente Unternehmen gab es in dieser Altersklasse im 1. Halbjahr 2017 (Vorjahr: 4.460). Das waren 43,6 Prozent aller Insolvenzen. Mit zunehmender Marktzugehörigkeit sinkt allerdings die Insolvenzquote.

Entspannung im Baugewerbe

Einen kräftigen Rückgang der Insolvenzzahlen verzeichnete das Baugewerbe (minus 9,9 Prozent). In den ersten sechs Monaten 2017 wurden in diesem Wirtschaftsbereich 1.540 Insolvenzen gezählt (Vorjahr: 1.710). Vergleichsweise gering war der Rückgang im Handel (minus 3,9 Prozent), der insgesamt 2.190 insolvente Unternehmen zählte. 760 Insolvenzen (Vorjahr: 830) verzeichnete das Verarbeitende Gewerbe. Das Dienstleistungsgewerbe bildete mit 5.810 Insolvenzen bzw. 56,4 Prozent aller Fälle erneut den Schwerpunkt des Insolvenzgeschehens. Auch die Insolvenzquoten verringerten sich weiter. Im Baugewerbe gingen pro 10.000 Unternehmen 85 Unternehmen in die Insolvenz (Vorjahr: 94). Im Verarbeitenden Gewerbe sind es nur 36 (Vorjahr: 39).

Einfluss des Markteintritts auf die Insolvenzzahlen

Ein lebhaftes Gründungsgeschehen verstärkt den Wettbewerbsdruck und treibt Innovationen voran. Entsprechend kann es vermehrt zu Marktaustritten kommen. Die Wirkung von neuer Konkurrenz auf die eingesessenen Unternehmen ist je nach Branche aber unterschiedlich. Gesamtwirtschaftlich bedarf es 25 Gründungen, um ein etabliertes Unternehmen in die Insolvenz zu treiben. Die Spanne reicht hierbei von nur acht Markteintritten in der Entsorgungsbranche bis immerhin 50 im Wirtschaftsbereich „Erziehung und Unterricht“.

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