Italiens Banken geraten in Schieflage - ein Warnsignal auch für deutsche Exporteure

Europa kommt aus dem Krisenmodus nicht heraus. Kaum hat man die Nachricht aus Großbritannien zum Brexit zur Kenntnis nehmen müssen, da kommen die nächsten Hiobsbotschaften aus Italien.

Was ist passiert? Einige Banken Italiens , allen voran die älteste Bank der Welt, die Banca Monte die Paschi di Siena, drohen abzustürzen. Sie stehen vor der Zahlungsunfähigkeit, denn in den Bilanzen haben sich nach offiziellen Angaben faule Kredite von 360 Milliarden Euro angehäuft. Das entspricht einem Drittel der gesamten Problemdarlehen in der Eurozone. Bei fast jedem fünften Kredit in Italien ist die Rückzahlung in Gefahr. Und das volle Ausmaß notleidender Kredite ist tatsächlich wohl noch größer. Alleine die Banca Monte die Paschi di Siena blickt auf einen Scherbenhaufen von 24 Milliarden Euro bedrohter Kredite.

Wer kommt für die Sanierung auf?

Der Internationale Währungsfonds (IWF) übt nun massiven Druck auf die römische Regierung aus, damit die maroden Banken so schnell wie möglich saniert werden. „Die Reform des Finanzsektors ist entscheidend, um Stabilität herzustellen und die Erholung zu unterstützen“, schreibt der Länderbericht für Italien. Und Italien? Antwortet mit der Forderung, dass dem Land, den Banken zu helfen sei. Einmal mehr soll die EU einspringen und das Geld mitbringen, um die Banken über Wasser zu halten. Dabei heißt es doch: Der Steuerzahler darf nicht noch einmal wie in der Finanzkrise herangezogen werden, um die Kreditinstitute zu retten. Und um dieser Forderung gerecht zu werden hat die EU vor einem halben Jahr eine neue Bankenabwicklungsrichtlinie, kurz BRRD, geschaffen, die eindeutig vorschreibt, dass zunächst einmal Aktionäre und Sparer des maroden Instituts heranzuziehen sind. Genau das aber will Italien-Chef Renzi vermeiden, in zähen Verhandlungen mit der EU soll ein Aussetzen erreicht werden. Renzi hat tatsächlich eine heikle Aufgabe vor sich, denn das flaue Wirtschaftswachstum macht es „schwer für die Banken, aus eigener Kraft und in einem angemessenen Zeitraum das Problem ihrer notleidenden Kredite zu lösen.“ (FAZ) Die Lage ist auch deshalb so prekäre, weil Bankobligationen in Milliardenhöhe an private Kleinanleger verkauft wurden – was eigentlich nicht hätte sein dürfen. Deren Zorn fürchtet man nun und schiebt den schwarzen Peter der EU zu. Der „Merkur“ schreibt dazu: „Die Banken hatten ihren Kunden mithilfe eines Tricks über Jahre völlig überteuerte Anteile an den Instituten angedreht. Wer einen Kredit abschließen wollte, musste solche Obligationen erwerben. Allein bei Monte dei Paschi – der drittgrößten Bank des Landes – halten 60.000 Sparer solche Obligationen im Gesamtwert von etwa fünf Milliarden Euro.“

Nun stecken die Verantwortlichen in Brüssel in einem Dilemma: Lassen Sie keine Hilfe zu, wie es die Richtlinie will, so könnte das Renzi das Amt kosten – und die Euroskeptiker könnten auch in Italien das Ruder übernehmen. Bleibt man aber nicht konsequent gegen einen staatlichen Bail-out, dann weicht man die Richtlinien weiter auf. Eine Politik, wie sie auch aktuell bei den Verstößen von Portugal und Italien im Hinblick auf deren Haushaltsdefizite sich abzeichnet.

Auch Unternehmen schwächeln

Was heißt das für Deutschlands Wirtschaft? Zunächst einmal gilt: Sollte sich die Krise vergrößern, könnten auch deutsche Banken betroffen sein. Und für Exporteure würde die Situation eintreten, dass ihre italienischen Abnehmer ihre Finanzierung verlieren und in die Pleite rutschen. Dabei war das Land in den letzten Jahren schon als Reflex seiner nach wie vor schwächelnden Wirtschaft nicht aus der Misere gekommen. Zwar hat Italien (minus 0,5 Prozent) jüngst eine etwas positivere Entwicklung bei den Insolvenzen genommen. Das Land registrierte 2015 erstmals seit vier Jahren wieder ein Wirtschaftswachstum, das jedoch gering ausfiel. Gleichwohl ist der Aufschwung noch labil, auch, weil die Wettbewerbsfähigkeit durch die lange Krise gelitten hat und wichtige Handelspartner des Landes schwächeln. Die Voraussetzungen für eine verbesserte Unternehmensstabilität sind demnach noch nicht wieder hergestellt. Die Hoffnung, dass die Kredite an die Unternehmen sich also aus deren verbesserter Lage wieder erholten wäre trügerisch. Um mehr als die Hälfte haben sich die Zusammenbrüche in den letzten fünf Jahren erhöht:

Unternehmensinsolvenzen in Italien

2015 2014 2013 2012 2011 Veränderung 2014/15 in Prozent
Italien 16.015 16.101 14.272 12.311 10.844 - 0,5

Hinzu kommt das notorisch schlechte Zahlungsverhalten der italienischen Geschäftspartner. Zahlungsverzögerungen über drei Monate hinaus sind keine Seltenheit.

Was tun?

Leider sind die Insolvenzen nur die Spitze des Eisbergs. Das italienische Recht macht es schwer, bei einem zahlungsunfähigen Geschäftspartner noch Erfolge zu erzielen. So gilt es, einige Besonderheiten des Rechts im Auge zu behalten, wie der nur sehr schwierig zu vereinbarende Eigentumsvorbehalt oder die Probleme um die Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren – ein Vertreter vor Ort muss vorstellig werden. Ein kurzer Blick auf die komplexen Regelungen zeigt: Es gilt einmal mehr, sich vorher abzusichern. Eine Wirtschaftsauskunft über das italienische Unternehmen ist gerade in der aktuellen Krise unbedingt erforderlich. Und sollte eine bereits laufende Geschäftsbeziehung die ersten Zahlungsstockungen zeigen, so hilft Creditreform mit dem Auslandsinkasso, dass mit der Lage im Land und den rechtlichen Vorgaben bestens vertraut ist.

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