Umsatz im Umkreis

Nutzer suchen per Smartphone in ihrer Umgebung nach Geschäften. Einträge in Branchen- und Bewertungs-Apps bieten kostengünstige und effiziente Marketing-Möglichkeiten.

Eine eigene Website hat sich bei kleinen und mittelständischen Unternehmen längst als Marketinginstrument durchgesetzt. In die mobile Welt wagen sich bisher aber nur wenige. Nach einer Studie des Netzwerks Elektronischer Handel vom Juni 2012 nutzen gerade mal sechs Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen bisher mobiles Marketing. Das Interesse an den noch neuen Möglichkeiten ist im Handel noch am größten. Dort nämlich plant jeder dritte Betrieb, auf mobile E-Commerce-Anwendungen zu setzen.

Mustafa Mussa ist Geschäftsführer von BaM, einer Düsseldorfer Agentur für interaktives Marketing. "Durch die starke Verbreitung von Smartphones und der damit verbundenen Affinität zum zeit- und ortsunabhängigen Marketing gewinnt der mobile Kanal auch für die KMU an Priorität", hat er beobachtet. "Viele dieser Unternehmen versuchen sofort mit einer eigenen App zu starten, da der Beliebtheitsgrad dieses Mediums extrem hoch ist. Zunächst ist aber die mobile Verfügbarkeit der eigenen Firmenwebsite das A und O."

Reichweite entscheidet

Dass die Erstellung einer eigenen App gerade für kleinere Unternehmen in der Regel nur selten das Mittel der Wahl ist, erklärt Prof. Dr. Martin Spann, Direktor des Instituts für Electronic Commerce und Digitale Märkte an der Ludwig-Maximilians-Universität München: "Es ist fraglich, ob das Budget es kleineren Unternehmen überhaupt erlaubt, eine Agentur einzuschalten, die sich dann von dem Budget etwas abschneiden kann."

Als kostengünstige Alternative zu Apps bieten sich aus seiner Sicht „Location Based Services“ an, um auf mobilen Endgeräten, sei es Smartphone oder Tablet-PC, präsent zu sein. Die Nutzung der ortsbezogenen Dienste, etwa per GPS, ist in der Regel so einfach gestaltet, dass keine externen Dienstleister eingeschaltet werden müssen. Zumindest die Basisfunktionen sind zudem kostenlos.

Doch nicht nur aus Kostengründen spricht einiges für diesen Weg: „Es dürfte schwierig für KMU sein, mit einer eigenen App eine relevante Reichweite zu erzielen. Diese entscheidet aber über den Nutzen der mobilen Aktivität. Es ist daher besser, bereits bestehende Plattformen zu nutzen, die Location Based Services anbieten und die bei den Nutzern eine gewisse Bekanntheit und Relevanz haben. Auf diese Weise werden Unternehmen deutlich besser gefunden. Die Plattformen übernehmen die Rolle der klassischen Medien und machen die Unternehmen bekannt – mit dem Unterschied, dass sie die Ergebnisse für den Nutzer vorfiltern und nur anzeigen, was gerade in seiner Nähe ist.“ 

Spezialisierte Bewertungsportale

Ortsbezogene Dienste werden von verschiedenen Online-Plattformen verwendet. So führt eine lokale Google-Suche zu Ergebnissen, die in einer Karte graphisch dargestellt sind. Mithilfe von Google Places können Unternehmen diesen Eintrag mit Informationen und aktuellen Angeboten füllen. Darüber hinaus gibt es Branchen- und Bewertungsportale, die sowohl als Webanwendung als auch als mobile Applikation existieren. Sie zeigen Ergebnisse in der Umgebung an, bereiten diese grafisch auf und stellen Kundenbewertungen zu den Ergebnissen. Klassische Branchenbuch-Anbieter wie die Gelben Seiten oder Mitbewerber wie Klicktel sind mittlerweile auch in den Markt der Apps eingestiegen, bei ihnen spielt jedoch die Bewertung eine untergeordnete Rolle.

Anders bei den neueren, spezialisierten Online-Bewertungsportalen: Hier hat die Bewertung der Kunden einen größeren Einfluss auf die Platzierung und Darstellung des Unternehmens in der Ergebnisanzeige. Beispiele für branchenübergreifende Plattformen sind Qype oder KennstDuEinen. Daneben gibt es eine Reihe kleinerer spezialisierter Anbieter:  Bei Docinsider.de werden Ärzte bewertet, bei Anwalt.de Rechtsanwälte, bei Holidaycheck.de Hotels und Unterkünfte, bei Speisekarte.de Restaurants.

Doppelter Nutzen

Für Unternehmen ist ein Eintrag in solchen Plattformen doppelt interessant, einerseits um einen Kontaktpunkt zum Kunden zu nutzen, andererseits um mithilfe des Eintrags die eigene Sichtbarkeit bei Google-Suchen zu verbessern. Denn Einträge auf diesen Plattformen wirken sich als sogenannte Local Citation auf das Google-Ranking aus. Auch die Quantität der eigenen Formeneinträge und der Kundenbewertungen spielen auf diese Weise eine Rolle. Dies sollte kein Unternehmen unterschätzen, denn bei Google läuft der Großteil der Suchanfragen auf. „Um den richtigen Dienstleister oder das richtige Lokal in der Umgebung zu finden, sind die traditionellen Suchmaschinen bei den Nutzern noch immer erste Wahl, daher sollte man sinnige Verknüpfungen und Strategien anstreben, die das berücksichtigen“, betont Mustafa Mussa.

Google  hat höchste Priorität

Zunächst muss also das Augenmerk einer optimalen Google-Auffindbarkeit gelten. Danach können Branchen- und Bewertungsportale zusätzliche Präsenz bringen. Ist die Entscheidung gefallen, dort aktiv zu werden, stellt sich die Frage, auf welcher Plattform das eigene Unternehmen beworben werden soll. Das Prinzip „viel hilft viel“ trifft nur eingeschränkt zu. Je mehr Einträge im Internet platziert werden, desto höher ist zwar die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer den Eintrag finden und das Geschäft aufsuchen. Doch die Plattformen müssen auch die passende Zielgruppe erreichen und über eine Mindestreichweite verfügen. Martin Spann warnt zudem: „Zwar ist das Erstellen und gegebenenfalls Aktualisieren der Einträge kostenlos, doch auch das erfordert Zeit. Gerade, wenn besondere Aktionen beworben werden sollen. Der Aufwand muss in einem angemessenen Verhältnis zum Ertrag bleiben.“

Inwieweit es sich für Unternehmen lohnt, in kostenpflichtige Module oder besondere Rabattaktionen zu investieren, auf welche Plattformen ein Unternehmen ihr Augenmerk richten sollte und ob doch ein externer Dienstleister unterstützend tätig werden sollte, muss im Einzelfall entschieden werden. Prof. Spann rät: „Man kann leicht experimentieren. Das ist das Schöne an diesen Plattformen. Man kann mit wenig Geld ausprobieren und aus den Beobachtungen lernen.“

Erfolgskontrolle mit Mobile Couponing

Doch wie kann man überprüfen, ob die Einträge in den Online- und mobilen Anwendungen zum Erfolg führen und sich die Klicks auf den Brancheneintrag in der GoogleMap, in Foursquare oder auf meinestadt.de auch in Geschäftsbesuchen und Käufen niederschlagen? Eine simple Möglichkeit der Erfolgskontrolle ist Mobile Couponing. Dabei können Unternehmen besondere Rabatt- oder Sonderaktionen auf ihren Einträgen auf den mobilen Plattformen einbinden. Die Möglichkeit besteht zum Teil bei Bewertungsportalen, es gibt jedoch auch auf Rabattaktionen spezialisierte Apps.

„Mobile Couponing erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass jemand tatsächlich in mein Geschäft kommt“, betont Martin Spann, der selbst ein Forschungsprojekt mit dem Couponing-Anbieter Gettings durchgeführt hat. Andere ähnlich ausgerichtete Anbieter sind hier beispielsweise Coupies oder MyMobai. „Solange der Kunde nicht zu erkennen gibt, dass er über einen Location Based Service aufmerksam geworden ist, ist es schwierig, die Wirksamkeit der mobilen Präsenz nachzuvollziehen“, so Spann. „Doch bei Mobile Couponing habe ich die Rückkopplung. Ich sehe, wie viele Kunden in den Laden kommen und den Gutschein vorzeigen.“

© 2019 Verband der Vereine Creditreform e.V.

Sollte dieses Formular nicht richtig dargestellt werden, klicken Sie bitte hier.

Kontakt

allgemeineskontaktformular

Allgemeines Kontaktformular
Kontakt